Der Brenner – Teil I

Als Schweizer denkt man bei einer Alpenquerung mit der Bahn an den Gotthard oder den Lötschberg. Da gibt es noch mehr. Hier der erste Teil meiner Alpenquerung über den Brenner.


Tramschienen beim Innsbrucker Hauptbahnhof.

Seit meiner Studienzeit an der ETH interessieren mich die Alpen nicht nur als Sehnsuchtsort, sondern auch aus kulturhistorischer Sicht. Daran ist Jon Mathieu schuld, der im Jahr 2008 eine Vorlesung hielt. Vor ein paar Monaten habe ich sein Buch „Die Alpen. Raum – Kultur – Geschichte“ gelesen. Und da wurde mir klar, dass die Alpen immer schon eine Rolle als Transitroute hatten. Ich als Schweizer nenne da sofort den Gotthard. Dieser war aber gar nicht immer eine so wichtige Transitachse. Andere waren wichtiger. Oder sind schon länger von grosser Bedeutung.

Der Brenner hat eine Passhöhe von 1370 m (Wikipedia). Das ist tief im Vergleich zu anderen Pässen. Der Gotthard ist wesentlich höher: 2107 m. Oder der Lötschenpass mit 2684 m. Beides Pässe, die heute eine Transitbedeutung haben und diese auch schon früher als Saumpfade hatten. Den Brenner habe ich noch nie befahren. Er ist vor allem als Autobahnroute bekannt. Eine Eisenbahnverbindung gibt es auch. Sie ist einfach anteilsmässig am Verkehr nicht so wichtig wie bei den Schweizerischen Pässen. In ein paar Jahren mit dem Basistunnel wird das wohl ändern.

Ich will also mal den Brenner per Bahn befahren. Gesagt, getan. Aber in einem Tag alleine geht das nicht. Darum bin ich in den Frühlingsferien ein paar Tage lang unterwegs. Zuerst nach Innsbruck, dann nach Bozen, von dort nach Trento und weiter via Mailand nach Hause. Das der Plan.

Von Zürich nach Innsbruck fährt der Railjet. Schon vor Jahren habe ich mit ihm so meine Erfahrungen gesammelt. Man scheint sich daran gewöhnt zu haben. Der Zug wurde nicht wirklich besser. Aber was soll’s. Ich bin angekommen. Die Verbindung führt ja auch über einen Pass: den Arlberg. Und eigentlich ist der auch Alpenquerend, wenn auch nicht in Nord-Süd-Richtung. Die Strecke ist auf wesentlichen Abschnitten einspurig und darum verspätungsanfällig. Ausgebaut wird sie auch immer wieder, da sie doch recht gut genutzt ist. Ob da auch einmal ein langer Tunnel kommen wird?

Haltestelle „Tummelplatz“ der Innsbrucker Mittelgebirgsbahn. Blick in Richtung Stadt.

Von Innsbruck wusste ich eigentlich nicht viel. Es sei eine recht grosse Stadt in den Alpen. Und es gibt ein berühmtes Lied aus dem 15. Jahrhundert: Innsbruck, ich muss dich lassen. Und jetzt bin ich da. Gepäck abladen und dann mal den Ort entdecken. Mit dem Tram fahre ich mal bis zur Haltestelle Tummelplatz. Ausserhalb der Stadtgrenze wird das zum Überlandtram und fährt mitten durch den Wald, wo dann auch die Haltestelle ist. Romantisch. Von dort sind es dann nur noch wenige Minuten durch einen Park zum Schloss Ambras, einem Schloss der Habsburger. Das ist schon länger ein Museum mit Ritterrüstungen und vielen historischen Objekten. Herausragend ist aber der spanische Saal.

Spanischer Saal auf Schloss Ambras. Panoramafunktion des iPhone SE3

Retour dann wieder per Tram, das leider nur einmal die Stunde fährt. Man könnte auch den Bus nehmen, aber dann wäre der Reiz weg. Vom Stadtrand her war mal eine direktere Strecke zum Bahnhof geplant. Das hat sich bis jetzt nicht verwirklicht, weshalb auf der Fahrt noch eine rechte Rundfahrt durch die Stadt inbegriffen ist. Unbedingt ausprobieren. Zum Pendeln allerdings nicht so geeignet.

Tourist beim Bestauen des Goldenen Dachls

Interessant sind ja die Dinge, die als touristische Highlights angepriesen werden. In der Altstadt ist des das Goldene Dachl. Bei meinem ersten Durchgang habe ich es gar nicht bemerkt. Die vielen Leute hätten mir verraten sollen, dass hier eine Sehenswürdigkeit ist. Mich zog es zur Hofkirche, die ins Tiroler Volkskunstmuseum integriert ist. Die Besucherdichte ist sofort niedriger. Und in der Kirche war ich nahezu allein. Das Grabmal für den Kaiser Maximilian I (✝︎1519) füllt den Raum und hinterlässt mich nachdenklich. Prunkvoll, von Bronzestatuen gesäumt. Da bricht wieder meine schweizerische Identität durch, die mit so etwas kaum etwas anzufangen weiss. Auf Schloss Ambras hatte ich einen schmalen Band aus der Beck’schen Reihe zur Geschichte der Habsburger gekauft. Der wird mich dann wohl aufklären, was es sich damit auf sich hat (hat er dann auch getan). Ganz in der Nähe ist der Hofgarten. Der lädt zum Flanieren ein. Und es ist keine Überraschung dass er von der Bevölkerung ziemlich gut besucht ist. Er ist schön.

Das Goldene Dachl.

Auf dem Rückweg wollte ich das Goldene Dachl dann auch wirklich sehen. Und ich sah es. Ich ging dann noch weiter zum Dom, wo es Ticketautomaten gibt um eine Fotografiererlaubnis zu erhalten. Den einen Euro habe ich investiert und habe so also ganz legal meine Bilder gemacht.

Fussboden im Dom zu Innsbruck

Irgendwann kam dann der Hunger, den ich dann recht traditionell befriedigt habe. Aber etwas hat mich dann doch noch interessiert: Wo ist denn diese Brücke über den Inn? Den Inn zu finden war nicht schwierig. Und Brücken hat es dort auch. In meiner Naivität habe ich irgendeine altehrwürdige Brücke aus Holz oder Stein erwartet. Aber nein. Eine schlichte Betonbrücke steht am Ort der namensgebenden Brücke. Die Bauwerke an diesem Ort seien immer wieder mal durch Hochwasser zerstört worden. Die heutige stammt aus den 1980er Jahren.

Und dann ging es ins Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Morgen früh dann endlich über den Brenner. Fortsetzung folgt…

Die Brücke über den Inn. Nicht das Original, aber am Ort des Originals.

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