
Es gibt Orte, die kennt man irgendwie nicht so ganz. Lausanne ist so eine Stadt. Ich bin schon einige Male durchgefahren, besonders zu meiner Zeit am Cern. Oder ich bin umgestiegen. Wenige Male habe ich beruflich etwas dort zu tun gehabt. Da ging es ab in die Métro, denn Lausanne ist eine der wenigen Orte (oder gar der einzige Ort?) der Schweiz wo es so etwas gibt. Viel gesehen habe ich da jeweils nicht.

Letzte Woche war ich Strohwitwer, weil meine Schulferien und die am Wohnort nicht zusammen passen. Und so habe ich mich letzthin nach dem Unterricht entschlossen, einfach mal nach Lausanne zu fahren. Und so spazierte ich mal nach Flon. Im Untergrund ist da die Metrostation, wo man meist umsteigen muss wenn man irgendwo hin will. Oben gibt es eine Fussgängerbrücke, eine Strassenbrücke und sonst ein Gewusel. Und dann spazierte ich durch die Altstadt in Richtung der Kathedrale, mein eigentliches Ziel.

Die Idee, einmal extra nach Lausanne zu fahren, kam durch eine Radiosendung, die ich manchmal als Podcast auf meinem Weg zum Unterrichten höre: Histoire vivante. Letzten Herbst gab es dort fünf Folgen über die Cathédrale de Lausanne zu hören. Irgendwie war ich mir nicht bewusst, dass dort eine wichtige gotische Kathedrale steht. Doch dank diesem Podcast bin ich darauf gekommen. Und man wird belohnt: Diese Kathedrale ist sehenswert. Ich empfehle unbedingt mal dort hin zu gehen.

Das war auch mal eine Gelegenheit ein neues Spielzeug auszuprobieren: Der chinesische Hersteller TTArtisans bringt sehr günstige Optiken zu Systemkameras heraus. Vor ein paar Monaten wurde ein extremes Fischauge angekündigt, das ich mir dann vor kurzem zum Geburtstag gegönnt habe. Für rund 150.– Franken kann man optisch keine Spitzenleistungen erwarten. DAs sieht man gut bei den ausgefressenen Lichtern bei den Fenstern im Dach. Witzig ist es trotzdem. Normalerweise sind solche Objektive teuer und in der Anwendung recht beschränkt. Aber bei dem Preis ist das ja ganz ok. Und die Ergebnisse sind in der Tat noch gut. Die Unschärfe bei obigem Bild kommt durch die Entzerrung, bei der die Ränder stark verzogen werden. Der Raumeindruck auf dem Bild ist aber nahe an dem wie ich es selber vor Ort erlebt habe.

Das Fischauge habe ich dann bald wieder gegen mein normales Objektiv getauscht. Genug der Spielerei. Trotz des Regens ging ich dann noch weiter spazieren. Die Stadt wirkt ja lebenswert. Ein Park mit einer eigentlich schönen Aussicht gäbe es auch. Na ja, ich begnügte mich mit dem intensiven Grün vom nassen Frühlingstag. Und ja, ich war mir nie bewusst dass wir in der Schweiz auch so hügelige Städte haben.

Am Bahnhof fand ich den Stand einer Bäckerei. Brot brauchte ich noch. Und wenn ich schon in der Westschweiz bin, dann darf es gerne ein Baguette sein. Mag ich sehr. Und ich erspähte eine kleine Köstlichkeit: Canelé. Dieses hier ist aus Lausanne und nicht aus Bordeaux. Geschmeckt hat es. Und gab mir auf der Rückreise kurz das Gefühl, ganz weit weg gewesen zu sein.
