
Manchmal bin ich froh, dass es Publikationen gibt, die nicht nur über das Offensichtliche oder Naheliegende berichten, sondern auch mal die eine oder andere Trouvaille bringen. So geschehen in der Dezemberausgabe der SAC-Zeitschrift „Die Alpen“, worin ein Artikel über eine Ausstellung mit Bildern von Gabriel Loppé enthalten ist [1]. Die Bilder haben mich fasziniert. Schon das Titelblatt zeigte ein Gemälde von ihm, das sofort meinen Blick erhascht hatte. Schade, dass die Ausstellung in Mâcon (F) bereits anfang Januar zu Ende war. Der Bericht wurde wohl etwas spät publiziert. Also wurde nichts aus einem Besuch.

Zum Glück gibt es Bibliotheken, wo ich zwei Bildbände finden konnte. Der eine Band stammt von einem Galeristen in London [2], der sichtlich begeistert ist von den Loppéschen Werken. Der Text im Buch ist eine Art Biographie und Werkschau, geschrieben von einem Enthusiasten. Entsprechend gefärbt ist die Sache. Aber die Begeisterung färbt ab.

Loppé kam durch eine erste Bergtour in den Alpen auf den Geschmack. Auf dieser war er der Langsamste von allen, was später dann anders war. Auf einigen Touren heuerte er Träger an, die ihm die Staffelei und alles sonst noch Nötige hochtrugen um malen zu können. Und das tat er meisterhaft. Die Gletscher haben eine Plastizität wie auf einer Foto. Immerhin haben es einige Gemälde in renommierte Museen geschafft, auch wenn Loppé heute eigentlich vorallem wegen einer Fotografie bekannt ist: Der Blitzeinschlag in den Eiffelturm. Ein Maler, der auch fotografiert hat. Er lebte ja ausgangs des sog. goldenen Zeitalters des Alpinismus, also der Zeit, wo die Gipfel bestiegen wurden und Erstbesteigung um Erstbesteigung stattgefunden haben. Die Medien haben laufend darüber berichtet. Tragische Ereignisse und Erfolge lagen nahe beieinander. Und Loppé war einer der Dokumentatoren dessen, was einen oben auf dem Berg erwartet. Damals konnten nicht alle einfach mit der Seilbahn hochfahren. Die Wirkung der Bilder war daher eine andere als heute.

Die Bilder hier im Beitrag sind von mir und nicht von Loppé (Links zu Bildern von ihm gibt es weiter unten). Und doch sehe ich eine Verwandtschaft. Mich faszinieren die Berge, die Blicke, die sie einem eröffnen. Die Wolken, das Licht. Der Fotograf muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Der Maler hat da mehr Flexibilität. Er kann seine Bilder skizzieren, grob festhalten und dann im Atelier fertigstellen. Loppé war ein akurater Maler, wie in den Bildbänden einige Male mit vergleichenden Fotos gezeigt wird. Und trotzdem hatte er Wahlmöglichkeiten: Akurat die Landschaft malen, aber die Stimmung so darstellen, wie er will. Meine Bilder sind in den letzten Wochen in und um Kandersteg entstanden.

Eine gute Auswahl von Bildern von Loppé findet man z.B. auf der Webseite Les amis de Gabriel Loppé. Oder wer ein YouTube-Video mag, findet hier eines. Den zweiten Bildband (mit ausführlicher Biografie), den ich mir ausgeliehen habe, kann ich auch sehr empfehlen [3].

Warum ich kein Bild von Loppé poste? Dessen Urheberrecht ist doch abgelaufen (zumindest in den meisten Ländern). Korrekt. Aber nicht das von den Reproduktionen, also den Fotografien davon. Da ich die Ausstellung eben nicht besuchen konnte, habe ich keine eigenen Fotos. Darum.
Literaturnachweise:
[1] Die Alpen. Ausgabe 06/25. Schweizerischer Alpenclub SAC. p.45, ISSN 0002-6336 [2] William J. Mitchell: Loppé. Peintre - Alpiniste. 2018, John Mitchell Fine Paintings, London. ISBN 978-1-9996521-0-4. Texte in englischer Sprache. [3] Marie-Noël Borgeaud: Gabriel Loppé. Peintre, photographe & Alpiniste. 2002 éditions Glénat, Grenoble. ISBN 2-7234-3986-0. Texte in französischer Sprache.