Kurztrip nach Grönland

Wie reist man nach Grönland ohne lange reisen zu müssen? Genau: Man geht ins Museum. Ok, nicht ganz dasselbe. Doch diese Ausstellung vermittelt tatsächlich das Gefühl, dort gewesen zu sein.

Gefallen haben mir die Filmprojektionen auf jeweils paarweise angeordneten Leinwänden. Die nebeneinander gezeigten Bilder sind clever ineinander montiert. Auf dem Kopfhörer lauscht man den Geräuschen. Kein Kommentar, keine Erläuterung. Einfach Immersion. Das erzeugt die Illusion dort zu sein. Clever gemacht. In jedem der thematisch gegliederten Räume hat es neben dieser Grossprojektionen kleinere Stationen, wo Personen zu Wort kommen. Raffiniert: Wenn man den Kopfhörer einsteckt, startet der Film. Man landet also nicht wie in einer Endlosschleife irgendwo dazwischen, sondern hört alles von Anfang an. Und die Benutzerinteraktion ist denkbar einfach und logisch. Ohne Touchscreen. Ohne Menuinteraktion. Da hat sich jemand einiges überlegt. Die können Ausstellungen machen. Das habe ich schon mal bei der Ausstellung über Mitholz gemerkt.

Und was nimmt man mit? Für mich war es zuerst das erstaunliche Erlebnis, wie Illusion auch heute noch funktionieren kann. Aber auch die Tatsache, dass Dinge nicht so einfach sind wie sie zunächst ausschauen. Eine Binsenweisheit, die aber immer wieder vergessen zu gehen scheint. Und das ist das andere Gute an dieser Ausstellung: Es werden alle möglichen Aspekte zu diesem Land gezeigt. Das, was man zu wissen meint. Und das wozu man dort länger leben müsste. Und jetzt, ein paar Tage nach meinem Besuch, stelle ich mich die Frage, ob ich eigentlich an einer Fotoausstellung oder einer Ausstellung über Grönland war. Die Illusion hat geklappt. Merci.

Hinweis: Die Ausstellung „Grönland – alles wird anders“ läuft noch bis zum 16.8.26 im Alpinen Museum in Bern. Sehr empfehlenswert. Der Ausstellungskatalog ist in Magazinform gemacht.

Blick ins Mattequartier von der Kirchenfeldbrücke aus.

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